Mr. Big – Beuteschema einer Generation

Wer kennt Sie nicht, die von uns Frauen geliebte Serie „Sex and the City“? Mit den bekannten vier Freundinnen, die unterschiedlicher nicht sein können, identifizierten sich Frauen einer kompletten Generation. Einmal pro Woche kam Frau in den Genuss, in die sagenhafte Glitzerwelt der Carrie Bradshaw einzutauchen. Es wurden unzählige Serienabende mit den besten Freundinnen veranstaltet.Gemütlich auf der Couch, mit Prosecco, Wein und Knabbereien folgte Frau dem turbulenten Leben der Ladys. Scharren von Mädchencliquen verteilten großzügig Spitznamen an  Freundinnen. Ob in einsamen Dorfdiskos, angesagten Clubs der Großstädte, oder in den Cafés der Fußgängerzonen,  kichernde, lebensfrohe Mädchen, wohin das Auge reichte. Sie steckten die Köpfe zusammen, lästerten, lachten und erlebten eine unvergessliche Zeit miteinander. Rothaarige Rebeccas hörten auf den Namen Miranda. Schüchterne Danielas wurden kurzerhand Charlotte getauft. Die Dorfschlampen und leichten Mädchen trugen mit erhobenem Haupte und voller Stolz den Namen der Samantha. Die unschlagbare Carry steckte irgendwie in jeder von uns. Vielleicht weil Sie die eigentliche Hauptrolle spielte, vielleicht weil Sie die verrücktesten Outfits Gassi führte oder auch aus einem ganz simplen Grund: Waren wir nicht alle auf der Suche nach Mr. Big?

Im Jahre 2004 war Schluss mit dem wöchentlichen Fernsehvergnügen. Mit der sechsten Staffel verabschiedeten sich unsere liebegewonnen Vorbilder aus dem Serienleben. Unter Tränen, mit viel Taschentüchern wurde die letzte Folge hingebungsvoll zelebriert. Eines war klar, wir lebten Sex and the City weiter. Wie viele  Männer mit dem ehrenvollen Titel Mr. Big im Laufe der Jahre von unterschiedlichsten Frauen gekrönt wurden, weiß keiner. Vermutlich waren es Unzählige. Manch Eine sah es nicht so eng und kürte in Ihrer Beziehungslaufbahn auch mal den ein oder anderen Auserwählten mehr damit. Im wahren Leben, war es nicht New York, nicht Manhattan und nicht die rauschenden VIP Events .Es waren Grillfeste, Schlagerpartys oder Clubs in denen chilliges House lief. Der berüchtigte Mochito, wurde auch gerne mal durch eine kühle Flasche Becks  ersetzt. Die ganz Harten unter uns tummelten sich mit Buffalos und Jeanshose auf den bekannten Technoparaden. Das Schuhwerk um Welten unattraktiver als die unbezahlbaren manolo blahniks der Bradshaw. Die  begehrenswerten Mr. Big´s hörten auf Namen wie Rainer Müller, Steffen Wittmann oder Daniel Schwarz. Weitaus weniger spektakulär  als John James Preston, wie wir uns eingestehen mussten. Bedeutsamer war jedoch, es war echt. Wir spielten die Hauptrolle der Carrie Bradshaw und fühlten uns gut damit. Ja, wir waren schon zu dieser Zeit erfolgreich, emanzipiert und eigenständig! Allerdings war klar, dass die breite, schützende Schulter des gutaussehenden, überdurchschnittlich erfolgreichen Mannes eine magische Anziehungskraft auf uns auswirkte. Ob die Spezies Mr. Big alltagstauglich war, wage ich zu bezweifeln. In vielen Fällen, tat er seinem Vorreiter der Fernsehserie nicht viel nach. Unzuverlässig, egoistisch und weit davon entfernt in einer Beziehung Verantwortung für sich oder seine Geliebte zu übernehmen. Prädestiniert für ein wildes hocherotisches Abenteuer baten Sie uns die Plattform für Erlebnisse die wir ein Leben lang nicht vergessen würden. Tief in uns spürten wir den sehnsüchtigen Wunsch,  die harte Schale des Mr. Bigs zu knacken. In unserem Herzen die Hoffnung er würde erkennen, dass wir „the one and only“ sind. Meißens jedoch ohne Erfolg.

Heute können wir über unsere dramatischen, herzzerreißenden Liebesgeschichten schmunzeln. Um die ausrangierten Mr. Big´s unsere Zeit ist es ruhiger geworden. Viele von Ihnen sind von der Bildoberfläche verschwunden und wurden sesshaft. Es hat wohl doch die ein oder andere geschafft, die harte Schale zu knacken.  Wie lange Sie Ihrem Mann das Mr. Big Kostüm tragen ließ ist ungewiss.

Würden wir heute einem Mr. Big begegnen, wären wir kritischer. Wir würden den Kopf schütteln und mitleidig feststellen: Hat er es noch immer nicht kapiert, um was es im wahren Leben geht? Ein in die Jahre gekommener Lebenskünstler der den richtigen Zeitpunkt für den Absprung verpasst hat  – armer Kerl!

Eure Luise

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