Lästerschwester

Wer lästert, der lügt. Wer behauptet er lästert nie, sagt nicht die Wahrheit. Da haben wir den Salat. Egal wie wir es drehen, ehrlich ist es nicht.

Ein schlechtes Gewissen verspüren wir selten. Wir kennen mindestens einen Komplizen, der mit uns das Tun oder Erscheinen eines Dritten analysiert und kritisch bewertet. Das macht die Sache nicht nur einfach sondern amüsant. Oder habt ihr jemals einen verbalen Monolog gelästert und dabei Spaß gehabt? Nein. Dann wäre es nicht das, was es ist: lästern.

Der Duden beschreibt das schwache Verb, der deutschen Sprache wie folgt: Sich über jemanden [der abwesend ist], über etwas abfällig, mit kritischen oder ein wenig boshaften Kommentaren äußern.

Zur leichten Kost zählt, über Fremde zu spotten. Im vertrauten Kreis ziehen wir über jemanden her, den wir nicht kennen. Kichernd oder mit kollektivem Kopfschütteln, kritisieren wir dessen Optik oder Verhaltensweise, um unsere Aufmerksamkeit anschließend wieder den wichtigen Gesprächsthemen zu widmen. Das Opfer wird nie erfahren, dass wir für einen Moment auf dessen Kosten ein Wohlbefinden verspüren durften. Darum geht es nicht? Warum haben wir es getan? Hätten wir die schlechtgekleidete Trulla zum Anhalten animiert, ihr unsere wüsten Gedanken ins Gesicht geschleudert, wäre es beschissen gewesen, nicht nur für sie sondern auch für uns. Also nochmal: Wir haben es getan weil es gut war und das nur deshalb, weil wir es hinter dem Rücken des hässlichen Entleins vollzogen haben. Da wir nie mit dessen Leid in Berührung kommen und das Entlein unwissend und froh weiter plantschen darf, fühlen wir uns unschuldig. Wo kein Kläger, da kein Richter – bei der nächsten Gelegenheit, dürfen wir unbefleckt weiterschmähen.

Spannend wird es beim Lästern über Freunde

Spannend wird es mit dem verbum temporale, wenn wir es bei Menschen aus unserem Bekannten- oder Freundeskreis anwenden. Die Motive sind tiefer und vor allem persönlich. Oftmals gaukeln wir uns selbst vor, dass es sich nicht um die Lust am Lästern dreht. Nein, wir machen uns Sorgen, die ausgesprochen und diskutiert werden müssen. Wenn wir so sehr um das Wohlergehen dieser armen Seele bangen, warum sprechen wir sie nicht darauf an? Machen auf den Missstand aufmerksam und versuchen aufrichtig zu helfen?

Alternativ fehlt uns schlichtweg das Verständnis für die Verhaltensweise der auserwählten Person. Kritisch betrachtet könnte man meinen, unser Intellekt besitzt nicht den nötigen Weitsinn, um die Handlungen unseres Opfers nachvollziehen zu können. Oder haben wir sehr wohl verstanden und reden weil uns der Neid dazu treibt?

Unser Ego darf sich sonnen

Das was bei diesem armen Ding schief läuft, läuft bei uns gerade. Mit dieser hinterlistigen Erkenntnis bestätigt sich, dass wir es richtig machen. Grandios ist: Unser Ego darf sich, ohne Anstrengung, selbstgefällig  in der Sonne aalen.

Wer lästert, der lügt. Sind wir zweifellos ehrlich und das vor allem zu uns selbst? Ist die Fürsorge oder das Missverständnis nicht nur eine billige Maskierung, die wir unbewusst der schonungslosen Wahrheit aufgetragen haben?

Für das vollkommene Ausleben der Schlechtrederei reicht das schwache Verb „lästern“ nicht aus. Dafür muss das feminine Substantiv herhalten: Die Hetzerei.

Die Königsdisziplin beherrschen wenige

Der Duden erklärt: (umgangssprachlich abwertend) fortwährendes, wiederholtes Hetzen, Aufstacheln, Aufwiegeln, Lästern. 

Nur wenige von uns beherrschen die Königsdisziplin. Es Bedarf eines hohen Maßes an Beharrlichkeit, Geschick und Cleverness, um dauerhaft in der oberen Liga mitspielen zu können. Darum wäre es schade, wenn die Erstligisten unter uns ihr Können nur vereinzelt ausleben. Es liegt ihnen am Herzen, ihre erlernte Kunst qualitativ aber auch quantitativ auf einem hohen Niveau zu halten. Mit einem freundlichen Dauerlächeln, welches sie all ihren Opfern ins Gesicht strahlen, lechzen sie nach mehr und sind ständig auf der Suche nach neuem Gesprächsstoff. Langweilig wird es nie, höchstens anstrengend. Wem hat man was erzählt und kann man sicher sein, dass der Empfänger nichts von der Schimpferei erfährt?

Falls die Schwestern auffliegen, widmen sie ihre Energie, der Schadensbegrenzung. Jetzt heißt es leugnen was das Zeug hält und wenn nötig, anderen die Schuld in die Schuhe schieben. Letzteres beherrschen die Damen in Perfektion.

Was bleibt übrig wenn man die Krone absetzt?

Keine Frage, das ein oder andere Bauernopfer bringt die Hetzerei mit sich. Viel zu hoch wäre der Preis, die eigene Persönlichkeit in Frage zu stellen. Warum sollten sie auf ihre exzessive Daueregopinselei verzichten? Um einen Bekannten oder Freund bei der Stange zu halten?  Das ist doch lächerlich. Es sind die Königinnen der Lästerschwestern. Solch eine Amtsbezeichnung gibt man nicht einfach auf. Vielleicht spielt die Angst vor dem was übrig bleibt eine Rolle. Mit Absetzen der Krone käme ein unsicheres, verletzbares Mauerblümchen zum Vorschein, welches der Auswirkung ihrer eigenen Wahrheit nicht gewachsen wäre.

Wieviel Selbstwert und Charakter bleibt?

Ob wir die leichte Kost genießen oder die Hetzerei betrachten. Eine wichtige Frage bei beiden Varianten ist: Wieviel Selbstwert bleibt, wenn wir erkennen, dass der aufrichtige Verzicht der einzig wahre Weg ist?

Vielleicht hätten mit dieser Erkenntnis selbst die Königinnen genug Zeit und Muße, etwas Wundervolles kennen und lieben zu lernen:

Sich selbst.

ungeschminkte Grüße

Luise

 

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