Wellness für die Kinderseele Teil II

Mein 4-jähriger Sohn, Hund Luna und ich, gönnen uns drei Tage Urlaub im Kinderhotel Oberjoch.

Schon die Eingabe in das Navi, lässt selbst mein Erwachsenenherz höher schlagen: Prinzenwald. Ob Zufall oder Schicksal, schöner kann eine Anschrift kaum sein.

Oberhalb von Bad Hindelang-Oberjoch, eingebettet in die prachtvolle Allgäuer Berglandschaft, liegt unser Reiseziel.

Nach knapp drei Stunden Fahrt parken wir vor dem Haupteingang. Einladend und offensiv knallen uns bunte Leuchtbuchstaben vom Hoteldach entgegen:

K I N D E R H O T E L.

Der Name ist Gesetz. Das bekommen wir in den nächsten Tagen von Kopf bis Fuß zu spüren.

Die Hotellobby ist ein Spielplatz mit Rezeption und Sitzgelegenheit für die Großen. Kinder wippen auf Schaukelpferdchen, bauen Türme aus riesigen Legosteinen, oder spielen Verstecke in Fliegenpilzhäuschen. Es herrscht ein reges Treiben. Gut gelaunt aber nicht laut ist es. An der Rezeption stehen Holztreppchen. Samy hüpft auf eines davon und ist mit der Empfangsdame auf Augenhöhe. Die heißt uns willkommen, erzählt irgendwas von einer Hindelang Gästekarte und streckt uns endlich den Zimmerschlüssel entgegen. Beim Gepäck helfen lassen, möchte ich mir nicht. Samy ist Windelfrei, ich bei der Kleiderwahl sparsam und Luna ein kleiner Jack Russel Mix, der ohne Hundekorb reist. Die paar Taschen schaffen wir auch so.

Unser Zimmer ist in Ordnung, aber nicht der Rede wert. Es ist eines von den „Alten“. Die Neuen und Renovierten sind laut zuverlässigen Quellen der Kracher. Unseres ist es nicht. Der Fußboden erinnert mich an den PVC von meiner Oma im Altersheim. Die Vorhänge passen optisch nicht zum Streifenmuster des Ausziehsessels. Sie sollten dezent und einfarbig sein. Die Möbel sind aus Holz und behaglich. Das Doppelbett groß und die Matratze einwandfrei. Das Bad klein aber sauber. Samy sucht die Augenhöhe zu seinem Spiegelbild. „Mama hier fehlt ein Hocker“, sagt er und steht auf Zehenspitzen vor dem Badspiegel. Mir fehlt in der Dusche eine Ablagemöglichkeit für mein Shampoo. Immer bücken ist doof.

Zimmer mit Omaboden sind übrigens speziell für Hundebesitzer. Recherchiere heimlich und erspähe gegenüber einen flaumigen Teppichboden. Daher meine Behauptung.

Nun aber zum Wesentlichen. Samy ist im Glück. Es ist ein Kinderhotel, mein Sohn ein Kind und ich will wissen was diesen Ort faszinierend für ihn macht.

Begebe mich in aktive Lauerstellung und bin gespannt. Er findet das Zimmer übrigens toll. Unser Zimmer ist am höchsten, sagt er und strahlt. Der Weg vom Appartementhaus zum Restaurant ist weit aber kurzweilig. Der lange Flur ist ein Abenteuer und Samy jedes Mal glücklich, wenn wir durchlaufen. Die Wände sind bunt. Bemalt mit Fabelwesen, Bauernhof Tieren und abstrakter Kinderkunst. „Schau Mama, da sind Schweine, hier Kühe und dort sitzt ein Schaf“, sagt mein Sohn, bevor er zur Kletterwand stürmt. Klettern kann er nämlich auch. Das zeigt er mir mit stolzem Lachen und glänzenden Augen. Den Rest des Weges reitet er als Cowboy auf einem braunen Tretpferd.

Im Restaurant quietsche ich vor Glück. Unser Tisch ist neben einer Spielhöhle. Ich bestelle mir einen Merlot, beobachte die Anderen und Samy ist zum Spielen verschwunden. Die Gäste wirken zufrieden und relaxt. Sind zum Großteil „ganze“ Familien. Single mit Kind sehe ich nicht, muss nichts heißen. Mama, Papa und zwei Kinder scheinen jedoch die Regel. Vom coolen Adidas Sneakers bis zum biedern Ledergaloschen sind alle Vätertypen vertreten. Der Polo Gaul von Ralph Lauren fällt mir überdurchschnittlich oft auf den Shirts der Herren auf. Konkurrenz macht die Outdoor Fraktion. Ich hatte keinen blassen Schimmer. Wusstet Ihr, dass Mammut und Vaude, restauranttaugliche Herrenhemden produzieren? Wer hat´s erfunden? Die Schweizer. Davon gibt’s hier viele. Bei dem Franken Kurs könnte ich auch jedes Wochenende Oberjoch buchen, denke ich und ziehe Samy zum Kinder Buffet. Dort bin ich nutzlos. Mein Sohn kann alles selbst und das bemerkenswert gut. Er schnappt sich einen bunten Teller. Schöpft was er braucht und lässt sich eine Limo aus dem Getränkeautomat – wie ein Alter. Am Tisch klettert er auf seinen Stuhl und isst. Er ist stolz, ich bin es auch. Ich tänzle zum „großen“ Buffet und angele mir eine frisch zubereitete Forelle. Die Auswahl ist gigantisch und geschmacklich ein Burner. Während ich esse, übt Samy sein Verhandlungsgeschick. „Mama, ich esse immer ein bisschen und geh dann spielen.“ So what, meine Lieben? Wir sind in einem Kinderhotel, die Spielhöhle ist unser Nachbar. Lassen wir den Knirps das Leben, was ihn glücklich macht. Schon ist er weg.

Zwei Eiskugeln, dreimal spielen und einen Merlot später, ist es Zeit für den Abendtanz. Murmel heißt das menschengroße Kuscheltier, welches die Kinderherzen vor dem zu Bett gehen, höher schlagen lässt. Murmel wackelt mit einer Animateurin durch das Restaurant und sammelt die Kids auf. Man trifft sich vor dem Miniclub, die Musik ist laut gedreht und es wird getanzt. Dann verabschiedet Murmel die Kinder in eine selige Nacht. Ins Bett wollen wir aber noch nicht. Bevor wir schlafen gehen, schauen wir uns die Vorführung im Theater an. Kinder in tollen Kostümen machen eine Vorführung und nehmen uns mit auf eine wundervolle Reise. Samy und ich sitzen vor der Bühne, klatschen, schwitzen und lachen. Schön ist es.

Die Heimreise in das Appartementhaus erweist sich als steil. Zurück geht’s berghoch. Für meinen Sohn spielt das keine Rolle. Er ist Cowboy und zieht tapfer sein Tretpferd hinter sich her. Morgen früh möchte er damit zur Hotellobby runter flitzen. Die Dinger sind heiß begehrt. Wir wissen beide, dass sein Gaul nicht auf ihn warten wird. Alle wollen nach unten galoppieren. Ich überlege nicht lange, werde illegal und schleppe das Tretpferd in unser Zimmer. Samy ist glücklich. Kurz vor dem Einschlafen frage ich, wie ihm der Urlaub gefällt. Er sagt: „Toll, Mama.“ Ich frage: „Warum?“ Er sagt: „Weil es hier so viele tolle Sache gibt.“ Dann schläft mein Sohn ein.

Am nächsten Morgen reitet er strahlend bergab und ich jage hinterher. Nach Croissant, Rührei und Nutella Brot, tanzen wir mit Hotel Maskottchen Smiley in den Tag. Hund Luna muss Gassi und wir genießen die Allgäuer Alpen. Auf eigene Faust begeben wir uns in die raue, gut beschilderte Natur. Unsere Wanderung ist ein Abenteuer und Samy glückselig. Streichelzoo, Kletterpark und Ziegenturm machen den Morgen perfekt. Am Mittag gehen wir Kart fahren, Schlittschuh laufen und spielen Tiger im Bälle Bad. Danach machen wir bei einem Trommelkurs mit, dann gehen wir schwimmen. Das Schwimmbad ist der Knaller, das Abendessen auch.

Heute mag Samy den Murmel nicht sehen. „Ich muss arbeiten“, sagt er und baut mit Demian, einem Schweizer Jungen eine Lego Turm in der Hotellobby.

Bevor wir schlafen gehen, duscht mein Sohn. Er singt. „ Hallo Smiley, alles Smiley…“ Im Bett, frage ich wieder: „ Was gefällt dir?“ „Dass alles so toll ist, Mama. Hier mag ich mal wohnen.“ Dann schläft er ein und ich fange zu schreiben an.

Am nächsten Tag müssen wir um elf aus dem Zimmer sein. Unser Urlaub ist noch nicht beendet. Wir checken aus, verstauen unser Gepäck und genießen die letzten Stunden im Hotel. Wir bowlen, fahren noch mal Kart auf der Renn- und Schlittschuh auf der Kunsteisbahn. Samy fragt: „Mama, können wir in meinem Zimmer auch eine Eisbahn bauen?“

Nach dem Mittagessen heißt es Abschied nehmen. „Ich will aber noch nicht gehen“, sagt mein Sohn mit traurigen Augen. Ein Stück Kinderhotel nehmen wir mit nach Hause. Das freut ihn. Er bekommt ein Puzzle, eine Lieder CD und ein Mini Kuschelsmiley geschenkt.

Wir fahren heim. Auf halber Strecke schläft mein Sohn ein und ich denke nach. Tatsache ist, meine Urlaubskasse ist leer, Samy´s Herz voll. Das Hotel ist nicht billig, aber seinen Preis wert. Falls wir wieder kommen, buchen wir eines von den neuen Zimmern. Im Nachhinein ist das jedoch völlig schnurz. Der Aufenthalt war trotzdem unvergesslich. Das All inklusive Hotel hat noch viel mehr zu bieten, als wir in den drei Tagen erleben durften. Ich möchte auf den Punkt bringen, warum Kinder das Kinderhotel Oberjoch lieben. Dafür reichen meine Eindrücke und Beobachtungen aus.

Dieser Ort ist Wellness für die Kinderseele. Kinder dürfen das sein, was sie sind: KIND.

Sie dürfen klein bleiben und dabei groß werden. Müssen (fast) nie auf Zehenspitzen stehen und sehen trotzdem alles. Können vieles selbst erledigen, was in der Welt der Großen oft undenkbar ist. Sie dürfen laut lachen, spielen und auffallen. Kinder dürfen ausprobieren und anfassen. Wenig ist verboten, vieles erlaubt alles für Kinder gemacht. Die Möglichkeiten den Spieltrieb auszuleben sind unfassbar. Selbst wir Großen kommen aus dem Staunen nicht mehr raus.

Kinder lieben das Kinderhotel Oberjoch, weil es ein Schlaraffenland am Prinzenwald ist. Im Gegensatz zu einem Märchen, gibt es diesen Ort jedoch in echt.

Begeisterte Grüße

Luise

P.S.

Die Hoteliers Familie Mayer betreibt zwei Kinderhotels und baut im Moment das Dritte. Ob es uns jemals dorthin verschlägt, weiß ich nicht. Falls ja – nehme ich Euch wieder auf die Reise mit. Weitere Kinderhotels aus dem Zusammenschluss findet Ihr hier.

 

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