Älter werden ist Glück

Da ich die Midlife-Crisis nicht mehr belächele, bin ich vermutlich dort angekommen.

Älter werden konnte ich nie leiden. Bereits mit achtzehn erlebte ich meine erste Krise. Die Jugend war vorbei und ich vor dem Gesetz voll strafmündig.

Die Jahre danach ertrug ich meinen Geburtstag, feierte aber nicht. An meinem Dreißigsten flüchtete ich nach Japan. Der Runde erwischte mich brutal und schonungslos unter meinem Backpackerrucksack, mitten in Tokio.

Von wegen Achtsamkeit, Leben im Jetzt und der Schicksal-Schnick-Schnack. Fakt war:

Schnell wird das älter werden, mit dem Älterwerden.

Das meine Lieben, sowie das tiefe Verständnis für die Bedeutung der „Endlichkeit“, tat mir weh. Um den immer größer werdenden Schmerz nicht weiter Einhalt zu gebieten, musste ich handeln.

Mein 35. Geburtstag war der beste Zeitpunkt. Er fiel auf einen Sonntag, wir konnten reinfeiern.

Bereits am Samstagnachmittag ging‘s los. Hatte sturmfrei. Kennt Ihr das Gefühl, Mama allein zu Hause? Großartig. Über whats app tauschten meine Schwester und ich unsere Outfits aus.

Mit vertrauter Stilberatung fiel die Auswahl leichter. Styling-Tipps zur Locken-Friseur, holte ich mir von einer Minderjährigen aus ihrem Youtube Chanel. Tutorial nennt man das. Wusste ich nicht. Wie haben wir das früher alles hingebracht? Auf jeden Fall mit Prosecco. Der schmeckte immer noch gleich gut. Die Locken waren für die Katz, der Alkohol für den Kater und ich aufgebrezelt wie ein Partymäuschen. Mit Lieblingsoutfit und bester Laune durfte der Abend beginnen.

Gemeinsam mit meinen lebenslangen Freundinnen saß ich beim Italiener und genoss die letzten Stunden der 34 Jahre. Müde waren wir alle zum Dessert, aufgeben wollte keine von uns.

Mit dem Taxi fuhren wir in einen Club. “Back to the Roots”. Passender konnte das Motto nicht sein. Weil ich Geburtstagskind war, durften wir in eine VIP-Lounge. Der Türsteher führte uns hin und sagte: „Falls Euch jemand stört, sagt es mir. Ich kümmere mich drum.“ Früher hätten wir das geil gefunden, heute war es lustig. Was haben wir gelacht.

Die Musik war gut, die Tanzfläche leer und ich wollte saufen. Wehe sie werden losgelassen. Malibu pur war die Ansage. Das klebrige Zeug schmeckte und schrie nach mehr. Da ich keinen Alkohol vertrage, war ich nach dem dritten Shot sternhagelvoll.

Kurze Zeit später fegten wir Ladies wie wildgeworden über die Tanzfläche. Ein Headbanger war ein Scheiß gegen unsere Körperakrobatik.

Punkt zwölf, die Tanzfläche mittlerweile gut gefüllt, ging die Musik aus. Der DJ wollte reden.

„Wir haben ein Geburtstagskind. Luise wird 35 Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch.“

Auch das noch. Die Mädels umarmten, küssten mich und gratulierten mir zum neuen Lebensjahr. Für einen Moment fühlte es sich alt an, abhauen konnte ich nicht. Hatte dann auch keine Zeit mehr, wir mussten weiter tanzen.

Im Morgengrauen fuhr uns das Taxi nach Hause. Wir waren besoffen, platt und selig. Was für eine Nacht! Es war nicht wie früher, sondern wie heute. Genau das macht unsere Party zu etwas Besonderem.

Vier Tage später ging auch mein Kater. Umso reifer ich werde, umso mehr liebt er meine Gesellschaft. Ein nettes Kompliment, findet ihr nicht?

Ich habe vor drei Wochen mit dem Rauchen aufgehört. Am liebsten würde ich eine Friedenspfeife mit dem Alter rauchen. Das lass ich lieber und widme meine Energie einem Resümee:

Mein Geburtstag war ein Genuss. Das fühlt sich gut an.

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Ich feiere, weil ich wieder ein Jahr gesund und glücklich leben durfte. Wenn ich das mit solch feinen Menschen zelebrieren darf, kann ich den nächsten kaum erwarten.

Vielleicht lag ich die Jahre davor falsch. Ab jetzt mache ich es richtig.

Erkenntnisreiche Grüße

Eure Luise

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16 Gedanken zu “Älter werden ist Glück

  1. bodyguard4you sagt:

    mit so feinen menschen hätte ich auch gern gefeiert … besonders mit der feinen Luise … die auf mich wirklich einen enormen eindruck macht …

    glückwunsch nachträglich … zum geburtstag …

    und glückwunsch … für das was du zu sein scheinst …

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  2. autorchristoph sagt:

    „Es war nicht wie früher, sondern wie heute.“ – darf ich mir diesen Satz borgen? Für nächstes Jahr? *seufz* Dann werde ich 50. Und noch einen Satz bekomme ich dafür, von Werther’s Echte: „Jah, nun bin ich der Großvater!“ (aus der Werbung von 1992) 😉 Dir zum Geburtstag schenke ich auch einen Satz: „Du hast den ersten Schritt in eine größere Welt getan.“ (Star Wars Episode IV – Eine neue Hoffnung) Lucky Luise!

    Gefällt 2 Personen

    1. luiseshorty sagt:

      weißt was, ich schenk Dir den sogar! Im Moment hält der Höhenflug an. Ganz sicher bin ich mir nicht, ob ich das älter werden jetzt einfach immer geil find. Wobei ich mich über einen Runden in Echt Freuen wurde. Was für ein besonderer Grund um es krachen zu lassen 🙂 die goldigen Werthers Echte wären doch die perfekten Süßigkeiten dafür – so lecker wie die sind 🙂

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  3. Censay sagt:

    Hmmm. Also meine Devise ist ja: bei den vielen Sinneskrisen die man heute durchwandert ist die Midlife-Crisis nur eine von vielen und dadurch weniger bedeutsam. Gibt ja sogar Forschungen die von einer trilife-crisis reden. Also nicht einmal in der Mitte, sondern so um 30 und um 60.

    Geile Bude nebenbei.

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      1. Censay sagt:

        Naja, wenn man auf Altbau steht. Klar 😉

        Merke: mache Frauen Komplimente und sie kennen doch nie deinen Namen. Beleidige ihre Schuhe und es wird bleiben 😀

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  4. Anka Hoerster sagt:

    Spannend das mit dem Alter! Mit dreissig war mir ein bischen mulmig und vierzig fand ich das auch etwas seltsam. Nun naht die 50. Irgendwie wir das Leben doch eigentlich immer reicher und interessanter. Die Dinge wandeln sich und so viel mehr Erfahrung und Tiefe kommt hinzu. Ich liebe Deine Beschreibung und bin schon jetzt neurierig auf den grossen runden in zwei Jahren:). Alles Liebe!

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  5. Dampfbloque sagt:

    „Die Jahre danach ertrug ich meinen Geburtstag, feierte aber nicht.“

    „Ertragen“ wäre bei mir zwar nicht ganz das passende Wort (weil etwas zu hart), aber auch ich habe mich in den letzten sechs Jahren erfolgreich darum gedrückt, meinen Geburtstag ausufernd zu feiern. Sah da irgendwie keinen Anlass. Jetzt naht die 30, die ich – Stand heute – mit 13 Tagen auf Abstand halten konnte. Erfahrungsgemäß gewinnt der Geburtstag immer. Gefeiert wird nächstes Jahr…im Sommer…irgendwann…wenn es einen anderen grund gibt. 🙂

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