Hätte nie gedacht, dass es mal so was gibt …

Früher mochte ich sie nicht. Verstand nicht, wie Leute ihre Songs geil fanden. Ich war jung, wild und viel zu individuell für die Top10 und den BRAVO Kommerz. Auf der Suche nach der großen Freiheit wollte ich auf eigenen Füßen stehen. Keinesfalls mit der Masse gehen.

Bei einer Party redete einer von den coolen Typen über die. „Das ist die beste Sängerin, die es in Deutschland gibt.“ Ich hatte keine Ahnung, wovon er sprach. Vielleicht war er heimlich in sie verliebt. Mein Geschmack war extravagant und das sollte er bleiben – basta. Madam viel durch mein Raster.

Viel hab ich von ihr nicht mitbekommen. Unser Nationallied hatte sie bei einem Auftritt verbrüht. Damals schrie die Presse so laut, dass ich es hören konnte. Früher wie heute, schicken wir Waffen um die Welt und Raketen ins All und der Shitstorm geht erst los beim scharfen Hymnen Skandal? Brüderlich mit Herz und Hand, war es der Mainstream, der damals sein Opfer fand.

Sei es drum. Ich lebte mein Leben. Die Zeit schlich wie eine Katze an mir vorbei, die jungen Jahre verabschiedeten sich und ich wurde erwachsen. Plötzlich war ich die Letzte, die das Licht ausmachte. Eine von denen, die manchmal aus Vernunft und oft ohne Grund am lautesten lachte.

So schön der Durchblick der Reife sein kann, so heftig fühlte sich der Verlust der Leichtigkeit an. Ich spürte, dass etwas fehlte. Wollte mal wieder weinen vor Glück, küssen im Regen und mich besaufen am Leben.

Gedanken, die ich niemand sagte, überschattet vom Zweifel, der mich plagte. Wie wäre es gewesen, hätte ich eine andere Türe genommen?

Dann wurde ich Mama und hab gegen mein Ego gewonnen. Mein Sohn lehrte mich die wichtigste Sache: die Muttersprache.

Den ganzen Terror und das Gold, ich habe alles so gewollt. Ich sah sein Stolz und seine Wut, sein großes Herz, sein Löwenmut. Bedingungslos fing ich an mich zu verschwenden. Gab ihm meine Liebe mit vollen Händen.

Zwischen Mama Glück und Sehnsuchtsschmerz stand sie wieder da. An der Spitze der Charts und ganz nah an meinem Herz. Hätte nie gedacht, dass es mal so was gibt, jetzt sang diese Frau mein Lieblingslied.

Ich ging auf ihr Konzert und war von ihrem Soul fasziniert. Der Typ von der Party hatte recht und ich es Jahre später kapiert.

Heute ziehe ich meinen Hut.

Mit Ihren Liedern bringt sie die Menge zum Beben. Nicht nur musikalisch ist sie gut. Die Frau macht ihre Augen auf, kämpft, will was bewegen und macht anderen Mut. Schwingt keine großen Reden, gibt Fremden ein Zuhause und ist sozial engagiert. Was sie singt, ist für die Ewigkeit. Dies nicht an zu erkennen wäre blanker Neid.

Ich höre ihre Musik und spür die Leichtigkeit, die ich so sehr brauch. Denn damit hört mein Kopf zu kämpfen auf.

Nennen wir es Schicksal, das was sie zurück auf die Bühne lenkt. Ich sag laut Danke!

Es hat uns das Comeback einer begnadeten Sängerin geschenkt.

Groupie Grüße

von Luise

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14 Gedanken zu “Hätte nie gedacht, dass es mal so was gibt …

  1. Da Wolf sagt:

    Ich bin zwar absolut kein Fan von ihr aber ich kam deine Empfindungen nur allzugut nachempfinden! Wenn ich Lieder meiner Lieblingsband oder sogar mein absolutes Lieblingslied höre, dann vergesse ich Alles um mich und schlüpfe in eine Fantasie der Leichtigkeit und Freude 🙂

    Gefällt 1 Person

  2. bodyguard4you sagt:

    *So schön der Durchblick der Reife sein kann, so heftig fühlte sich der Verlust der Leichtigkeit an. Ich spürte, dass etwas fehlte. Wollte wie früher, weinen vor Glück, küssen im Regen und mich besaufen am Leben.*

    es geht also nicht nur mir so …

    Gefällt 1 Person

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